Im Rahmen der Artist-in-Residence-Ausstellung „Geister und Werkzeuge“ der Künstlerin Eva Schmeckenbecher: DAMALS WIE HEUTE. KONTINUITÄT DER GEWALT

Konferenzraum und Werkstatthalle, Kunststiftung Erich Hauser
Offener Sonntag, 31. August 2025
15.00 Uhr

Es sprechen:
Cornelia Votteler, Autorin, Renate Weiler, Diplom-Sozialpädagogin (BA), systemische Beraterin (DGSF) und fachliche Leitung der Beratungsstelle des Vereins Frauen helfen Frauen + AUSWEGE, sowie Eva Schmeckenbecher, Künstlerin

Die Hexenverfolgung liegt Jahrhunderte zurück und doch sind ihre Mechanismen erschreckend aktuell. Ausgrenzung, geschlechtsspezifische Gewalt und gesellschaftliche Stigmatisierung sind keine Geschichte, sondern Realität. Die Veranstaltung DAMALS WIE HEUTE. KONTINUITÄT DER GEWALT lädt dazu ein, gemeinsam hinzuschauen: Woher kommen diese Strukturen und wie bestehen sie fort?

Wir werfen einen kritischen Blick auf Vergangenheit und Gegenwart:

Die Hexenverfolgung trug zur Entstehung einer gesellschaftlichen Konstruktion von Schuld und Ausgrenzung bei, die bis heute in Gewalt gegen Frauen und andere marginalisierte Gruppen fortbesteht. Cornelia Votteler beleuchtet am Beispiel von Rottweil, wie Ängste, Machtinteressen und juristische Mittel im historischen Kontext die Hexenverfolgung legitimierten und welche tiefen, noch heute sichtbaren Spuren diese Strukturen in unserer Gesellschaft hinterlassen haben.

Renate Weiler vom Verein Frauen helfen Frauen + AUSWEGE schlägt den Bogen ins Heute: Aus ihrer tagtäglichen Arbeit mit gewaltbetroffenen Frauen, Kindern und anderen benachteiligten Gruppen berichtet sie eindrücklich, wie Gewalt sich heute zeigt und was es braucht, um Schutz, Solidarität und echte Veränderung zu ermöglichen.

Eva Schmeckenbecher ergänzt die Vorträge mit ihrer künstlerischen Perspektive und begleitet die Teilnehmer*innen durch ihre Ausstellung „Geister und Werkzeuge“ in der Kunststiftung Erich Hauser, die sich poetisch mit den Spuren historischer Gewalt auseinandersetzt. Ihre Werke regen dazu an, die oft verborgenen und verdrängten Aspekte von Ausgrenzung und Leid zu reflektieren und mit der Vergangenheit und ihren Konsequenzen in einen neuen Dialog zu treten.

Diese Veranstaltung richtet sich an alle, die hinschauen wollen: mit offenem Blick, kritischem Denken und dem Wunsch nach Veränderung.

Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten. Eine Anmeldung ist nicht notwendig – kommen Sie einfach vorbei!

Cornelia Votteler, 1956 in Bühlertal geboren, lebt seit 1983 in Rottweil. Bis 2020 arbeitete sie als Religionslehrerin sowie in den Städtischen Museen, im Stadtarchiv und in der Tourist-Information. Seit über 30 Jahren ist sie als Stadtführerin und Museumspädagogin tätig. Sie verfasste mehrere Bücher zur Rottweiler Geschichte, u.a. zur Frauengeschichte und für Kinder. Im Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein ist sie als Schriftführerin im Vorstand aktiv, zuvor auch im Vorstand des Kapuzinervereins.

Renate Weiler, geboren 1961, ist Diplom-Sozialpädagogin (BA), systemische Beraterin (DGSF) und fachliche Leitung der Beratungsstelle Frauen helfen Frauen + AUSWEGE e.V. in Rottweil. Als Allrounderin innerhalb der Beratungsstelle übernimmt sie neben der Leitung vielfältige Aufgaben: Sie berät Betroffene, ist aktiv in der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit und fungiert als Fachkraft im Kinderschutz.

Eva Schmeckenbecher, geboren 1977, lebt und arbeitet in Stuttgart. Sie ist Künstlerin und Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie. In ihrer Arbeit nutzt sie Fotografie als Material und Medium sozialer Recherche. Durch Bearbeitungen wie Falten, Häuten oder Montieren entstehen skulpturale Objekte und Videos, die gesellschaftliche Realitäten sichtbar machen und künstlerisch hinterfragen.

Als Artist-in-Residence 2025 der Kunststiftung Erich Hauser präsentiert Eva Schmeckenbecher ihre Arbeitsergebnisse in der Ausstellung GEISTER UND WERKZEUGE. Die Residenz wird großzügig von der SV SparkassenVersicherung gefördert.

Über den Verein Frauen helfen Frauen + AUSWEGE

Der Verein Frauen helfen Frauen wurde 1991 gegründet und erhielt 2012 die Namenserweiterung AUSWEGE. Die Beratungsstelle des Vereines widmet sich im Landkreis Rottweil drei Arbeitsbereichen:

  • Beratung von Frauen und Mädchen in Notsituationen und schwierigen Lebenslagen insbesondere bei häuslicher Gewalt (Frauen helfen Frauen)
  • Beratung von gewaltbetroffenen Frauen nach einem Polizeieinsatz wegen Häuslicher Gewalt (Interventionsstelle)
  • Beratung von Betroffenen jeglichen Geschlechts, deren Bezugspersonen und Fachkräfte bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend (AUSWEGE)

Die Beratung ist kostenfrei, kann anonym, einmalig oder mehrmals erfolgen. Das Ziel der Beratung ist es, betroffene Frauen, Kinder und Jugendliche zu stärken und zu schützen. Gemeinsam werden Lösungswege für ein zukünftiges sicheres gutes Leben erarbeitet.

Die Leitung des Vereins obliegt den drei ehrenamtlich tätigen Vorstandsfrauen unterstützt durch einen Helferkreis. Die fachliche Beratungsarbeit wird durch ausgebildete hauptamtliche Fachkräfte geleistet. Die vier Fachberaterinnen haben 2024 insgesamt 531 Beratungsgespräche geführt. Der Beratungsbedarf hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht.

Dem Verein ist es sehr wichtig, durch Öffentlichkeitsarbeit über das Thema Gewalt gegen Frauen sowie sexualisierte Gewalt zu informieren und zu sensibilisieren. Betroffene finden dadurch schneller Zugang zu einer Hilfestelle und der Freiraum der Täter wird eingeengt.

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit der Beratungsstelle ist die Prävention, welche sehr rege nachgefragt wird. Es wurden beispielsweise durch unsere beiden Grundschulprojekte 2024 insgesamt 971 Schüler erreicht. Ziel der Prävention ist es u. a. die Schüler zu stärken, Grenzen zu setzen, die Grenzen anderer zu respektieren und Hilfestellen zu kennen. Außerdem werden Fachkräfte zu unseren Themen geschult, so konnten beispielsweise 2024 96 zukünftige Lehrkräfte erreicht werden. Ebenso finden Elternabende in Kindergärten und Schulen statt.

Abb.: Druckstock der Künstlerin Eva Schmeckenbecher, Fotografie: Johannes Zimmermann